Gott des Donners – „Thor: Tag der Entscheidung” Review

Zum dritten Mal darf der Gott des Donners in einem Soloabenteuer seinen Hammer schwingen. Wobei, so Solo sind diese Abenteuer ja nun nicht mehr. Dank (mehr oder minder) cleverer Vernetzung des Marvel Cinematic Universe tauchen nicht nur allerlei Mit- Avengers in Cameos auf, auch der titelgebende Held muss sich seinen Film de facto mit dem Hulk teilen (dem nach dem Edward Norton Fiasko offenbar kein eigenständiger Film mehr zugestanden wird). Hier liegt schon der erste Wermutstropfen, und ich darf hier offen vom Hulk reden, da er nicht nur in den Trailern groß angekündigt wurde, sondern selbst im Kinofoyer meterlange Plakate vom grünen Riesen die Wände schmücken und selbst jemanden, der aus Spoilerangst sämtliche Trailer, Teaser und Internetchats zum Blockbuster meidete, vom Heldentreffen ankündigen. Kurzum: Der Trailer, bzw. die Trailer, nehmen zu viel vorweg. Was vom Drehteam storytechnisch sorgsam aufgebaut wird, verpufft in seiner beabsichtigten Wirkung dank der Marketingabteilung. Minutenlang wird die Szene in der Arena vorbereitet, von einem Champion gesprochen, der unbesiegt ist und dem Thor nach dem Verlust seines Hammers (ebenfalls in den Trailern schon vorweggenommen) nichts entgegenzusetzen hat. Nur weiß der geneigte Zuschauer längst: It’s the Hulk!

Da den wenigen Storywendungen also der Wind aus den Segeln bereits im Vorfeld genommen wird, bleiben nur noch die Marvelesken Stärken (je nach Sichtweise auch Schwächen) um kernige One- Liner und parodistische Züge um Superheldenfilme. Dem Kernpublikum dürfte das gefallen. Wie ernst kann man schon einen Film nehmen, wo sich ein nordischer Gott zu den Klängen von Led Zeppelin durch Horden von Asgard- Zombies prügelt?! Leider wirkt der Film in der Summe dadurch aber auch zu heiter. Das (zumindest im Original) titelgebende Ragnarök verpufft von der ursprünglich düsteren Götterdämmerung der Edda zum simplen Nebenschauplatz im überbunten Overkill. Genausogut hätte es darum gehen können, dass irgendein Bösewicht den Lieblingseiscremestand von Thor zerstört. Narrativ wäre dies gehopst wie gesprungen.

Was bleibt ist die clevere Vermarktung von Marvel/ Disney, die Thor 3 zwischen Sommer (traditionell die stärkste Kinosaison in Nordamerika) und Winter (stärkste Saison auf dem europäischen Markt) platziert, und sich so einerseits nicht selbst ins Gehege kommt (Fluch der Karibik 5 im Sommer, Star Wars 8 im Winter), und andererseits dem Kinozuschauer die Entscheidung abnimmt, sich eventuell zwischen Thor und einem der drumherum platzierten DC- Filmen (Wonder Woman, Justice League) entscheiden zu müssen.

Fazit: Kalkuliertes Superheldenkino, welches dem zumindest theoretisch implizierten Anspruch eines Epos gar nicht erst versucht gerecht zu werden. Seinerstatt gibt es Fan Sercie par excellence, welches sich nahtlos ins bisherige Marvel Œuvre einfügt ohne neue Zuschauerschichten ansprechen zu wollen.

5 von 10 mal den Hammer schwingen.

4 Gedanken zu “Gott des Donners – „Thor: Tag der Entscheidung” Review”

Kommentar posten