Das Ende der Vernunft

Postfaktisch.

So lautete das „Wort des Jahres 2016″. Die Menschen glauben nicht an das, was wahr und belegbar ist, sondern schlicht an das, was ihnen besser gefällt.

Das Internet ist überflutet mit „Klimaskeptikern“ und „Flacherdlern“, die in allerfeinster Stammtischmanier gegen die Obrigkeit wettern und in den Kommentarbereichen und Foren von betreffenden Internetseiten, oder in, mit dramatischer Musik unterlegten, „Enthüllungsvideos“ gegen alles rebellieren, was in den letzten Jahren und Jahrhunderten durch Wissenschaft und
Forschung erreicht wurde, inklusive Orthographie, Grammatik und Syntax der deutschen Sprache.

In der Folge erstrecken sich häufig nahezu endlos erscheinende Konversationen und Diskussionen, die nicht selten zu Kopfschmerzen, Ungläubigkeit und völliger Verwirrung beim Leser führen.
Sollte man in einem Anflug von Hoffnung und Idealismus sogar so naiv sein, mit sinnstiftenden Argumenten, den Gegenüber wenigstens zu einem Anflug von Selbstreflexion zu bewegen, wird
man meistens mit einem Gefühl der bitteren Enttäuschung und einer Erschütterung des eigenen Glaubens in die Menschheit entlohnt.

Prof. Harald Lesch, einer der tapfersten Recken der öffentlich-rechtlichen Medien im Kampf gegen die Unvernunft, hat nun schon mehrfach den plumpen Angriffen, durch die Vertreter ebenjener
neuen Subspezies, die Stirn geboten. In den verschiedenen Sendungen in denen er partizipiert, hat er immer wieder Kommentare und Gegendarstellungen aufgegriffen, in denen seine Darstellungen kritisiert und als falsch betitelt wurden und mit stoischem Engagement und Fakten an die Vernunft appelliert. An dieser Stelle meine Bewunderung und einen Dank an Herrn Lesch. Ich hätte längst aufgegeben.

 

In der neusten Folgen der politischen Kabarettsendung „Die Anstalt“ hatte der Astrophysiker kürzlich einen Gastauftritt, in dem er, angelehnt an das Star Trek Universum, als Besatzungsmitglied
„Fähnrich Harald“, im Jahr 2100 im Anflug auf die Erde, einen Schadensbericht ebendieser vorträgt. Die Schäden durch den Klimawandel sind verheerend und sowird kurzer Hand ein Zeitsprung eingeleitet, um die Katastrophe doch noch abzuwenden.

 

Nachdem die Überzeugung des „Otto Normalverbrauchers“ von der Notwendigkeit eines Umdenkens scheitert, da dieser mit Fakten nicht zu belehren ist, wird „Commander Spock“, alias Max Uthoff, zur Oberfläche gesandt, um den Kontakt zur „Klimakanzlerin“ herzustellen, die als Physikerin und Regierungsoberhaupt des Landes, das als Vorreiter in puncto Klimaschutz gilt, die letzte Hoffnung zu sein scheint.
Doch auch hier scheitern die Bemühungen des rationalen und besonnenen „Halb-Vulkaniers“ Spock. Die „Klimakanzlerin“ ist davon überzeugt, dass die Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels bereits auf Hochtouren laufen und die gesteckten Ziele schon irgendwie erreicht werden. Schließlich hätte man den CO2-Ausstoß seit 1990 bereits um 25 Prozent gesenkt. Auch im Gespräch mit der Wirtschaft wird kein Einlenken oder auch nur ein Anflug von Vernunft bewirkt. Letztlich generiere der Handel mit CO2-Ausstoß Zertifikaten einen Zusatzgewinn von 30 Milliarden Euro im Jahr. Letzten Endes resigniert Mr Spock und gibt die Diagnose, dass den Humanoiden jegliche Einsichtsfähigkeit fehle und sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn den Menschen die Dringlichkeit bewusst geworden sein müsste, zurückkehren sollten.

Die Folge endet mit den Figuren, denen der Meeresspiegel bis zum Hals steht und die trotz allem noch immer uneinsichtig bezüglich ihres eigenen Einflusses auf den Klimawandel sind. Fähnrich
Harald fragt, analog zu seinem realen Alter Ego, warum niemand auf seine Warnungen gehört hätte.

Dass das erklärte Ziel, bis 2020 eine Senkung der Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu erreichen, kaum noch tragbar ist, darüber sind sich die Experten einig. Die Eingriffe in den Klimaschutzplan 2050, zum Schutz des Diesels, der Flugzeugindustrie und der Kohlekraft sind so kontraproduktiv, dass auch die Erreichung dieses Ziels unrealistisch erscheint. Man kann nur hoffen, dass angesichts dessen, wenigstens „Fähnrich Harald“ nicht aufgibt und unermüdlich weiter an uns appelliert.

Und hiernoch mal den Link zur aktuellen Episode “Die Anstallt”. Sehnswert.

2 Gedanken zu “Das Ende der Vernunft”

  1. Guter Beitrag. Besonders die Einbettung des Tweetes und den Link zur neusten Episode der Anstalt sind hilfreich. Inhaltlich bin ich ein bisschen pessimistisch. Schließlich liegt meine Hoffnung nicht darin das nur Lesch nicht Aufgibt, sondern ich und wir unser Bewusstsein verbessern und Emission reduzieren.

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