5 Fragen an Ignorek

So jetzt und endlich… : Interview mit Herrn Ignorek. Dem Deutsch und Geschichts Lehrer des Braunschweig Kolleg. Als wir uns am 13.11 im Lehrerzimmer des Agy´s zusammen saßen wirkte er auf mich beschäftigt und konzentriert. Nach einem kurzen Plausch stellte ich auch schon meine erste äußerst kritische und investigative Frage; 


1. Herr Ignorek, wie geht es Ihnen?

Herr Ignorek: Es geht mir gut. Die Arbeit mit den Klassen hat heute funktioniert
und ich habe noch mein Seminarfach, das ist mein Leistungskurs, mit dem ich
gerne zusammenarbeite, und von daher ist dann eigentlich alles an
Grundvoraussetzungen erfüllt, zumindest einen guten beruflichen Tag zu haben.
Und danach beginnt ja dann die zweite Hälfte des Lebens.

2. Sie kommen ja gerade aus der Elternzeit. Verbringen sie ihre Ferien
genauso wie ein typischer Kollegiat mit Netflix, Zocken und Marihuana ?

Herr Ignorek [lacht]: Zumindest das erste tue ich. Ich und auch meine Frau
gucken gerne Serien, Netflix gehört dazu, daneben gibt es noch andere Portale.
Natürlich macht man das nicht mehr so wie früher, dass man ganze Serien
„durchbinged”. Aber wir schauen uns gerne Filme und Serien an, gehen ins Kino,
auf Konzerte, wir bleiben also kulturell interessiert. Nur weil man jetzt Eltern ist,
hört das ja nicht auf, aber der Alltag verändert sich natürlich. Es ist auch schön,
dass da jetzt ein anderer, neuer Mittelpunkt da ist, aber so ein paar Dinge, die
bewahren wir uns, vor allem wenn man mit Freunden zusammentrifft. Das
genießt neben der eigenen kleinen Familie, die man hat, die höchste Priorität. Es
darf aber auch mal Netflix sein.

3. Sie sind ehrlich gesagt einer der besten Lehrer, die ich so hatte. Was ist
ihr Geheimnis?

Herr Ignorek [verlegen]: Was ist mein Geheimnis? Oh Gott, das ist so eine Frage,
die kann ich schwer beantworten, weil Sie ja gerade sagen, dass Sie so
empfinden. Ich kann sie vielleicht so beantworten, dass ich sage, was mir wichtig
ist. Wichtig ist mir, dass die Kollegiaten immer wissen, woran sie bei mir sind, und
dabei das Gefühl haben, dass ich es mit ihnen ernst meine und Freude daran
habe, mit ihnen zu arbeiten. Und dass es immer mal wieder Stunden gibt, in
denen das toll klappt, in denen es nicht so toll klappt, aber man trotz allem in
einer gemeinschaftlichen Haltung verbunden bleibt, etwas auf die Beine stellen
zu wollen. Dann macht es mir Spaß. Und im Idealfall ist es das, was die Leute
erkennen und dabei vielleicht selbst eine Freude an der Sache entwickeln. Das
heißt, dass Kollegiaten in der Art und Weise, wie ich versuche meinen Job zu
machen, begreifen, dass es mir wichtig ist, dass sie sich intellektuell und
persönlich weiterentwickeln. Dabei will ich sie begleiten, und wenn die Resonanz
eben die ist, dass es funktioniert, bin ich zufrieden.

4. Warum Lehrer?

Ignorek: [schmunzelt] Ja, die Standardfrage, die man sich immer mal wieder
stellen muss. Es hat für mich zwei Komponenten. Das eine hängt eng mit dem
zusammen, was ich gerade eben auch gesagt habe, nämlich dass es ein Beruf ist,
in dem man ganz viel machen kann mit dem, was einen fachlich interessiert. Ich
mag tatsächlich meine beiden Fächer sehr gerne. Und das nächste ist aber, dass
man die dankbare Aufgabe hat, Leuten gegenüberzustehen, die gerade in einer
wichtigen Lebensphase sind, und sie hoffentlich manchmal für das begeistern
kann, was einen selbst begeistert. Und diese Rückmeldung, die man bekommt,
das empfinde ich als etwas sehr Lohnendes, und das hat man, glaube ich, nicht in
allen Berufen, das Fachliche damit zu verbinden, Menschen zu begleiten, ihren
eigenen Weg zu finden. Und da dabei sein zu dürfen, ist für mich ein großes
Privileg. Deshalb mache ich das sehr gerne.

5.Und die letzte Frage. Ist Ihnen bewusst, dass sie am Kolleg als
attraktivster Lehrer gesehen werden?

Herr Ignorek (umgehend): Nächste Frage.

Das war die letzte.

Herr Ignorek: Schön, das wars schon?

Ja, man darf Kollegiaten nicht mit zu viel Text überfordern. [Er schmunzelte]

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