Kollegiaten today: Audio Engineering

Denni im Arbeitsalltag – Was da wohl gerade gemischt wird?

 

 

Was beeinflusst unseren Weg vom Kolleg zum Joballtag? Um diese Fragen zu beantworten habe ich mithilfe von Frau Weinreich einige “Ehemalige” kontaktiert, um von ihnen zu erfahren, was ihren Weg geprägt hat. Im folgenden habe ich mich mit Denni, einem 28-jährigen Audio-Engineering Studenten aus dem 77er Jahrgang, unterhalten. Ursprünglich kam er aus einer Bäckerei-Vollanstellung, bis er durch seinen besten Kumpel auf den zweiten Bildungsweg und das Kolleg aufmerksam geworden ist. Vom Bäcker zum Abiturienten – Und nun: Wie kommt man vom Abiturienten zum Audio-Engineer?

Henrike: Denni, du hast uns jetzt schon ein wenig grundlegendes erzählt über deine Entscheidung zum Kolleg zu gehen. Aber wie hast du dich für ein Profil entschieden?

Denni: Musik hat mich schon seit meiner Kindheit begleitet. Damals hatte ich ein Keyboard von meinen Eltern bekommen und damit begann eigentlich meine Begeisterung für Musik. Tatsächlich habe ich mir aus nostalgischen Gründen in der Corona Krise wieder das Modell meiner Kindheit gekauft.

Henrike: Also vermute ich mal, du hast etwas künstlerisches gemacht?

Denni: Ja, tatsächlich: Kunst, Deutsch, Englisch waren meine LKs – Also das künstlerische Profil. Die Zeit am Kolleg war sehr schön. Besonders in den kreativen Fächern konnte ich mich voll entfalten, weil ich eben auch der kreative Typ bin.

Henrike: Und was ist dir besonders in Erinnerung geblieben vom BS Kolleg?

Denni: Die Partys auf jeden Fall (lacht). Nein, ernsthaft: Ich ein totaler Fan vom Darstellenden Spiel. Man kam sich zwar am Anfang recht albern vor bei den Aufwärm-Übungen, aber mit der Zeit hat man sich daran gewöhnt. Es war einfach nicht wie der “normale” Unterricht, sondern mal abschalten, aber auch aus sich rausgehen. Es war fast wie eine Therapie für mich (lacht). Die Vorbereitungen und die Auftritte haben super viel Spaß gemacht. Unser erster Auftritt ist mir stark in Erinnerung geblieben. Da spielten wir vor fast 200 Leuten – heute bei Corona fast unvorstellbar! – und zwar eine Lehrer Parodie. Sie kam extremst gut an. Es gibt Aufnahmen von dem Auftritt, bei denen man uns kaum versteht, weil die Zuschauer aus dem Lachen gar nicht mehr heraus kamen. Das Gefühl, das ich jedes Mal habe, wenn ich auf der Bühne stehe, ist unbeschreiblich. Ich hatte übrigens die Rolle als Herr Gunkel, aber habe leider seine Reaktion nicht mitbekommen zu meiner Vorstellung. Angeblich hat er aber eine kleine Lachträne vergossen, als ihm ein Video von dem Auftritt gezeigt wurde (lacht).

Henrike: Wow, das klingt ja nach einer guten Zeit! Man könnte fast sagen, du bist eine Rampensau.

Denni: Ja, die totale Rampensau! Ich genieße es einfach, vor Leuten zu stehen oder herumzuspringen und sie mit Worten und Taten zum Lachen zu bringen. Ich bin dankbar, dass Frau Weinreich mir mit DSP diese Möglichkeit gegeben hat. Es gibt aber tatsächlich auch Momente, da bin ich gerne alleine und komponiere und produziere stundenlang meine eigene Musik.

Henrike: Ich finde es echt bewundernswert, wenn man ohne Lampenfieber auf die Bühne kommt.

Denni: Das Lampenfieber kriegst du nie weg! Dieses Gefühl kurz vor dem Auftritt: Du bist voll fokussiert, freust dich und bist gleichzeitig mega aufgeregt – aber sobald der Vorhang aufgeht, ist das Lampenfieber weg und ich will einfach nur noch so gut ich kann performen und Spaß haben!

Henrike: Das klingt mega cool! Was hast du denn aus deinem Abschluss gemacht, als du fertig warst?

Denni: Ich hab ein Audio Engineering Studium in Hannover angefangen. Ich bin dort auch extra hingezogen, weil ich  diesen Weg ganz professionell einschlagen wollte. Ich habe mein ganzes Leben lang schon Mukke gemacht. In meiner Kindheit mit einem Keyboard angefangen und dann viel durch ausprobieren dazugelernt. Auch Gitarre, paar Basic Akkorde, Schlagzeug-Basics, aber irgendwie waren es immer Tasteninstrumente, die mich am meisten fasziniert haben. Irgendwann lernte ich Programme kennen, mit denen man eigene Musik produzieren konnte. Natürlich hat da alles auch eher billo-mäßig angefangen. Mit Hip Hop – Ejay vorgefertigte Loops übereinander klatschen und gib ihm. Später habe ich meine erste “vernünftige” DAW ausprobiert. Ich weiß nicht, ob dir das etwas sagt: Fruity Loops?

Henrike: Oh mein Gott, ja. Das kenne ich, das sind doch Cornflakes! (Kurz für alle, die nicht wissen was eine Digital Audio Workstation ist: Ein Programm, welches die Verarbeitung von Tonaufnahmen, Abmischung, Musikproduktion und Mastering am PC ermöglicht. Ganz schön viele Fachwörter, aber im Endeffekt macht es einem Audio Engineer möglich aus ganz vielen Komponenten ein Stück zu machen.)

Denni:(lacht) Nee, nicht Fruit Loops, sondern Fruity Loops! Das ist eine DAW! Später wechselte ich zu Reason 4.0 , was der Beginn einer großen Liebe war. Aktuelle arbeite ich mit Reason 11. Das ist die einzige DAW, die analogen Workflow mit den Vorzügen der digitalen Welt kombiniert. Ab September wird die Version 12 erhältlich sein und mein Herz geht jetzt schon auf. Musik hat mich einfach immer begleitet. Und da habe ich mir während der Kollegzeit gedacht: “Yo du machst ja gerade dein Abi, dann kannst du ja jetzt etwas Vernünftiges damit machen.” Und da habe ich dann das erste Mal mit dem Gedanken gespielt, an meine Uni zu gehen. Zwar ging es ein paar Mal hin und her, schließlich ist Musik in den Augen vieler nichts “handfestes”, aber ich wollte unbedingt den musikalischen Weg einschlagen. Ich bereue diese Entscheidung bis heute nicht! Ohne das Kolleg hätte ich dieses Selbstbewusstsein nicht entwickelt. Gerade Herr Kruse und Frau Weinreich…

Henrike: Da grätsche ich mal kurz rein! Denn damit kommen wir auch schon zur nächsten Frage: Gibt es Lehrer oder Schüler, die deinen Weg besonders beeinflusst haben?

Denni: Ja, wie ich schon sagte, auf jeden Fall Herr Kruse und Frau Weinreich, aber auch der Kunst Unterricht bei Frau Nölke haben mich sehr geprägt. Der Musik Unterricht bei Herr Kruse war klasse und besonders seine Musik AG hat mega Bock gemacht und war super lehrreich. Und über DSP habe ich ja schon ganz viel erzählt.

Henrike: Das freut mich zu hören. Wie stellst du dir denn den Alltag in deinem Berufsfeld vor?

Denni: Das kommt ganz drauf an in welchen Bereich ich lande! Man hat so viele Möglichkeiten: Selbstständigkeit, Filmton, Raumakustik, selbst Dozent an der Uni werden… Ich beschäftige mich schon seit ich 14 bin mit Komposition und Musikproduktion, aber mit den ganzen technischen Aspekten – wie Kompression und Equalizing – habe ich mich vorm Studium wenig befasst. Im Laufe meines Studiums habe ich jedoch gelernt, dass man den technischen Aspekt nicht unterschätzen sollte und das lerne ich jetzt richtig professionell. Meine Uni ist zwar etwas teurer, aber das SAE Institute Hannover kann ich auf jeden Fall empfehlen.

Henrike: Du bist also mit Leib und Seele Musiker?

Denni: Ja das könnte man sagen. Ich bin Musiker, Produzent, ich bin aber auch Sportler, chinesische Kampfkunst (Wushu) und Calestenics (Kraftraining mit Eigengewicht). Meine innere Rampensau habe ich mir immer noch bewahrt und stand nach dem Kolleg schon zwei Mal für jeweils 15 Minuten auf einer offenen Bühne in der Bowling World Hannover und habe Stand-Up Comedy mit selbst geschriebenen Gags performt. Mein zweiter Auftritt fand im März 2020 kurz vor der Maskenpflicht statt. Damals war es total angesagt Witze über Klopapier-Hamsterer zu machen.

Henrike: Also du hast viele Richtungen in die dein Weg dich zieht! Welche von den vielen Möglichkeiten ist denn dein Favorit?

Denni: Mein absoluter Traum wäre die komplette Selbstständigkeit, ein richtig fettes Tonstudio. Die Leute kommen zu mir, wollen dass ich mit ihnen Songs produziere oder sie wollen auf meine eigenen Produktionen singen oder rappen. Wahrscheinlich gehe ich erstmal in eine Festanstellung und baue mir nebenbei etwas auf. Ich bin mal so dreist und mache jetzt einfach Werbung für etwas, auf das ich sehr stolz bin: Mein YouTube Kanal “DerLieDer”. Es gibt ihn seit Ende März. Mittlerweile sind 10 Produktionen von mir online. Auf dem Channel findet ihr Hip Hop, Electro, Chill Musik aber auch Rock, also für jeden etwas dabei. Wenn man kreativ ist und seine Kunst mit anderen teilen will, ist YouTube meiner Meinung nach die beste Plattform. Abgesehen von analogen Bühnen natürlich.

Henrike: Fällt dir denn jemand ein, der deine Entscheidung geprägt hat?

Denni: Der Wunsch, später etwas mit Musik zu machen, schlummerte schon seit Jahren in mir. Im Laufe der Kolleg Zeit wurde mir mein eigener Weg immer klarer. Wertvolle Erfahrungen am Kolleg halfen mir zu mir selbst zu finden. Und ja, jetzt investiere ich in mich und meinen Traum!

Henrike: Wow, ziemlich selbstständig. Hast du denn noch etwas, was du hinzufügen möchtest?

Denni: Ich möchte nochmal einen kleinen Rat mitgeben für alle, die noch nicht so recht wissen, was sie machen wollen. Das klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber frag dich selbst: “Wo will ich hin? Was ist mein Weg?” Nicht der Weg deiner Eltern, nicht der Weg deiner Freunde. Was die anderen über deinen Traum sagen, muss dir zu 100% egal sein! Die anderen heißen nicht umsonst: “die anderen”. Ich bin sehr dankbar für die drei unvergesslichen Jahre am Kolleg und möchte alle meine Lehrer von damals grüßen.

Henrike: Was für ein Abschlusswort! Ich danke dir, Denni, für deine Zeit. Vielleicht kommen dann noch ein paar Zuschauer mehr für deine Premiere und ich drücke dir die Daumen für deine Zukunft!

Denni: Danke, Henrike! Das Interview mit dir war echt witzig. Mach das mit der Schülerzeitung auf jeden Fall weiter, ich wünsche dir auch alles Gute für deinen weiteren Weg!

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Oder falls ihr eher Bock habt euch mit seiner Studienrichtung zu beschäftigen – hier eine kleine Zusammenfassung, was genau Audio Engineering ist: In dem Studium werden dir die Grundlagen zu Audiotechnik und Akustik vermittelt. Du lernst die verschiedenen Geräte einer Audioproduktion sowie deren Vor- und Nachteile lieben. Raumakustik und Audiovisualisierung sind auch ein Part des Studiums. Gerade an Musikhochschulen kannst du zudem Musiktheorie, Gehörbildung und Musikgeschichte pauken, damit du ein wahrer Experte auf dem Gebiet wirst. Grundlegend werden in dem Studium die Arten der Tonerzeugung ermittelt: Sprache, Gesang, Instrument oder die moderne elektronische Tonmittlung zählen dazu. Somit wirst du als Audio-Engineer Student viel am PC arbeiten, Tonspuren mischen und  deine Klangvorstellungen umsetzen. Wenn dich das jetzt richtig gecatcht hat, dann schau doch mal auf der Website von Dennis Hochschule vorbei: SAE Institute Hannover – einfach googeln 😉

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